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Ein Allrounder, der rumkommt.

Ein Allrounder, der rumkommt.
Dezember 24, 2017 Svenja Weber

Ein Allrounder, der rumkommt.

Interview mit Mani Ahgassi

Ein Termin mit einem jungen Mann für den Freundlichkeit und Höflichkeit höchste Priorität hat, weil er sie für Umgangsformen hält, an denen kein Weg vorbeiführt. Tugenden nach denen im Verkauf händeringend gesucht wird und die mit Kusshand unter Vertrag genommen werden.

Sein Typ ist da gefragt, wo nach angenehmer Präsenz verlangt wird, sei es in unserem gegenwärtigen Gespräch, dem Martinshof Airport – Shop oder den temporäreren Marktständen der Sozialen Manufakturen.

 

Ich heiße Mani Ahgassi. Ich bin 20 Jahre alt und arbeite seit zwei Jahren im Martinshof Airport – Shop und neuerdings auch an den Verkaufsständen der Sozialen Manufakturen.

Wie sieht dein Tätigkeitsfeld im Airport – Shop und bei den Sozialen Manufakturen genau aus?

Mani: Zurzeit bin ich für die Getränke und Süßigkeiten im Airport – Shop zuständig. Bis vor zwei Jahren habe ich mich um das Sortiment der handgemachten Bremer Senatskonfitüren gekümmert. Außerhalb des Airport – Shops arbeite ich auch an den Verkaufsständen der Sozialen Manufakturen. Ich bin dort mitverantwortlich für den Auf- und Abbau des Standes, die Präsentation, den Verkauf und die Beratung.

Hast du eine besondere Beziehung zu Lebensmitteln oder macht es für dich gar keinen großen Unterschied, ob du Schuhe oder kulinarische Delikatessen verkaufst?

Mani: Mir ist es egal, was ich verkaufe, mir ist nur wichtig, dass ich eine Tätigkeit habe und dass ich mich auf der Arbeit wohl fühle. Meine Arbeit in der Getränke- und Süßigkeitenabteilung ist eine sehr große Aufgabe. Ich habe da auch neulich mit meiner Gruppenleiterin drüber geredet, dass es gut wäre, wenn wir meinen Arbeitsbereich ein bisschen verkleinern könnten. So wie es jetzt ist, habe ich schon so meine Schwierigkeiten, denn es muss alles ordentlich gemacht werden und vor allem muss man auf das Haltbarkeitsdatum richtig gut Acht geben.

Das heißt, du musst jeden Tag aufs Neue das Sortiment manuell prüfen und auffüllen?

Mani: Ja genau. Im Kühlschrank muss immer genug Wasser, Fanta, Cola, Sprite und Apfelschorle sein. Take Off Zero’s, also Energy Drinks, gehen auch immer gut und die Kasse bedienen kommt auch noch dazu.

Ist es dir wichtig, wieviel du an einem Tag verkauft hast oder spielen die Verkaufszahlen für dich gar keine Rolle?

Für mich ist ein guter Tag auf der Arbeit schon auch ein Tag,
an dem wir ein bisschen mehr verkauft haben.

Mit was für Kunden hast du es tagtäglich zu tun?

Mani: Meine Kunden sind Durchreisende oder Leute, die jemanden am Flughafen abholen wollen. Manchmal kommen auch Schüler oder Menschen, die ich kenne, im Shop vorbei.

Wie ist es für dich mit so vielen verschiedenen Menschen Kontakt zu haben?

Mani: Das finde ich angenehm und es passt auch gut zu meiner höflichen und freundlichen Art. Das macht mich auch zu einem Verkaufstalent. Auch meine Gruppenleiter finden mich zuvorkommend und sehr zuverlässig. Es gab noch nie eine Beschwerde über mich.

Sicherlich hast du es auch mal mit einem schwierigen Kunden zu tun. Wie gehst du mit so einem Kunden um?

Ein schwieriger Kunde ist ein Kunde, der zu viel Druck macht oder schlecht gelaunt ist. Und da es überhaupt nicht meine Art ist, darauf unhöflich zu reagieren, bleibe ich ruhig und freundlich.

Das Negative ziehe ich mir nicht rein. Ich konzentriere mich immer auf die positiven Gedanken. Doch wenn es richtig Schwierigkeiten gibt, bekomme ich Angstgefühle und traue mich dann auch nicht lauter zu werden. Einmal habe ich eine Gruppenleiterin um Hilfe gebeten und sie hat dem Kunden dann erklärt, dass Schreien und Brüllen in unserem Shop nicht erwünscht ist und dass man auch in einem ruhigen Ton über alles reden kann. Ich glaube, das hat der Kunde dann auch verstanden.

Würdest du sagen, dass dir solche Erfahrungen auf der Arbeit dabei helfen, mit Konfliktsituation immer besser umzugehen und gesunde Grenzen zu setzen?

Mani: Ich würde das gerne lernen, aber ich traue mich einfach nicht. In solchen Situationen ist es besser für mich, Hilfe bei einem Kollegen oder Gruppenleiter zu holen.

Kannst du dich daran erinnern, was du als Kind mal werden wolltest?

Mani: Ja, ich wollte unbedingt Busfahrer bei der BSAG werden. Doch dann dachte ich, dass es auch langweilig sein könnte immer dieselbe Strecke hin und her zu fahren. Ich habe sogar mal ein Praktikum dort gemacht, bei dem dann aber schnell klar wurde, dass ich aus Sicherheitsgründen den Beruf nicht ausüben kann.

War das eine sehr große Enttäuschung für dich, den Traumberuf aufgeben zu müssen?

Mani: Ja, ich war schon ein bisschen enttäuscht. Aber ich habe es auch selber eingesehen, dass der Beruf zu stressig und zu kompliziert für mich ist.

Wie hast du den aktiven Verkauf, die Kundenbedienung und -beratung für dich entdeckt?

Mani: Ich bin ja noch im Berufsbildungsbereich und da habe ich viele Praktika gemacht, um zu gucken, was das Beste für mich ist und wo ich mich wohl fühle. Z.B. hat mir mein Praktikum im Polizeipräsidium in der Vahr auch sehr gut gefallen. Da habe ich Dokumente gescannt, Notizen gemacht und gelernt mit Computern und Technik umzugehen. Mir ist auch empfohlen worden am Flughafen im Check-in Bereich zu arbeiten, weil ich ein gutes Gedächtnis habe und mir alles schnell merken kann. Ich bin aber noch am überlegen, ob ich das wirklich tun möchte, da ich noch nicht weiß, ob die Schnelligkeit am Check-in mir nicht zu stressig sein könnte. Ich muss für diesen Bereich auch fließend Englisch sprechen können, aber da habe ich im Juni schon den Englischkurs absolviert. Sprachen liegen mir. Ich spreche auch Persisch und kann dann auch gut aushelfen, wenn mal iranische Kunden kommen.

Ist es dir eigentlich wichtig eine Arbeit zu haben und beschäftigt zu sein?

Ich will nicht die ganze Zeit zuhause abhängen und faulenzen. Es ist mir wichtig Geld zu verdienen und mit meinem eigenen Geld auch mal einkaufen gehen zu können oder Geschenke zu besorgen, wie z.B. zu Weihnachten, zu Geburtstagen, zum Muttertag oder Vatertag.

Und bist du mit deinem Gehalt zufrieden?

Mani: Ja, ich bin mit meinem Gehalt zufrieden.

Echt, könnte nicht mehr sein? Also ich würde nicht nein sagen, wenn ich bei der nächsten Gehaltsüberweisung 3000,00 Euro mehr auf meinem Konto hätte.

Mani: Ja, dann könnte es vielleicht doch…

Wie funktioniert eigentlich so eine Bewerbung innerhalb der Werkstatt?
Oder sind dir die Stellen empfohlen worden und du musstest dich gar nicht erst bewerben?

Mani: Doch, ich musste mich auch schriftlich bewerben. Es gibt da ein Formular, in das man eintragen kann wo man arbeiten möchte und was mit der eigenen Gesundheit ist, wie z.B. ob man bestimmte Allergien hat und so was in der Art. Und dann guckt man gemeinsam, ob der Bereich passt. Wenn mich die Gruppenleiter besser kennenlernen, bekomme ich von denen auch mal eine Empfehlung.

Und decken sich die Empfehlungen und Einschätzungen der Leute aus der Werkstatt oder vom Arbeitsamt, die sich zu deinen Talenten und zu deiner beruflichen Zukunft äußern, mit dem, wie du dich du dich selber siehst und einschätzt?

Mani: Alle Gruppenleiter haben gesagt und erfahren, dass ich freundlich und zuverlässig bin und das bin ich auch und so möchte ich auch wahrgenommen werden.

Wie sieht eigentlich so ein typischer Morgen bei dir aus, bevor du zur Arbeit fährst? Und mit welchem Gefühl fährst du zur Arbeit?

Mani: Ich stehe morgens schon um 5:20 Uhr auf, ziehe mich in Ruhe an und frühstücke, bevor ich aus dem Haus gehe. Um 6:30 Uhr verlasse ich das Haus und nehme dann den Bus oder die Straßenbahn zur Arbeit. Ich brauche ungefähr 30 Minuten um anzukommen. Meine Gedanken während der Fahrt sind sehr unterschiedlich. Manchmal denke ich an die Arbeit und wie der Tag so laufen wird und manchmal denke ich über ganz andere Sachen nach.

Mit wie vielen Kollegen arbeitest du zusammen?

Mani: Wir sind insgesamt 12 Leute.

12 Leute? Und was machen die anderen 11?

Mani: Die haben halt andere Bereiche. Manche arbeiten bei Airbus, Travel Blue, Hammer, Canvasco Taschen, Ratskellersekt, Hachez usw.

Wahnsinn. Jeder Bereich hat sozusagen seinen Fachmann. Und was ist der Bestseller im Airport – Shop?

Mani: Die Bestseller sind Koffer!

Und bei den Verkaufsständen der Sozialen Manufakturen?

Mani: Das Mango-Chutney von der Knasteria und das Apfel-Chutney sind am besten verkauft worden.

Und gibt es unter den Bereichen einen Konkurrenzkampf, wer am Ende des Tages das meiste verkauft hat?

Mani: Davon weiß ich nichts, deshalb kann ich dazu nicht viel sagen.

Fühlst du dich auf deinem heutigen Arbeitsplatz angekommen oder würdest du dich gerne beruflich verändern oder weiterqualifizieren.

Ich war vor einem Monat im Musicaltheather bei einer Jobmesse, um mich umzuhören, ob es vielleicht noch einen anderen Arbeitsbereich für mich gibt, den ich besser finde und den ich außerhalb der Werkstatt machen könnte.

Und bist du fündig geworden?

Mani: Ich habe bei der Deutschen Bahn nachgefragt, wie es bei denen mit meinen Berufschancen aussieht. Die haben mir gesagt, dass sie mir in dem Bereich, der mit Technik, Lasern und Schweißen zu tun hat, nichts anbieten können, aber dass ich vielleicht als Fahrkartenkontrolleur bei ihnen anfangen könnte, weil sie viele Leute in dem Bereich suchen.

Erst wolltest du Busfahrer werden, jetzt arbeitest du am Flughafen und könntest dir vorstellen, als Zugbegleiter zu arbeiten. Könnte das Unterwegsein doch eine berufliche Leidenschaft sein, die sich durch dein Leben zieht?

Mani: Ich denke schon, dass mir das Unterwegsein, Schreiben und Ticket entwerten Spaß machen würde. Es sind alles Tätigkeiten, die ich gerne mache. Ich bin auch gerne in Kontakt mit Menschen und möchte helfen wo ich nur kann. Das könnte bei der Bahn passen.

Und wo war dein letzter Einsatz für die Soziale Manufakturen?

Mani: Auf der Breminale. Da habe ich Öle, Chutneys und Teesorten verkauft. Wir haben vorher auch eine Verkostung gemacht und die Chutneys von der Knasteria aus der JVA in Oslebshausen haben mir besonders gut geschmeckt, auch die scharfen.

Und wie kamen die Produkte deiner Meinung nach bei den Bremern an?

Mani: Bei der Sozialen Manufaktur gefällt mir, dass wir auf unterschiedlichen Märkten vertreten sind, auch mal auf einen Sonntag zu arbeiten. Die Atmosphäre ist einfach eine andere als im Geschäft. Mit den Kunden kommt man noch besser in ein Gespräch, da wir dort alle Produkte zum Verkosten anbieten. Viele haben probiert und den meisten hat es auch geschmeckt, einige fanden manche Produkte auch etwas zu scharf, doch insgesamt kommen die Produkte gut an.

Mani, vielen Dank für diese Einschätzung und dieses Gespräch und vielleicht sehen wir uns auf einer meiner nächsten Reisen am Check – in wieder, oder ich zeige dir mein Bahnticket im Zug. Wer weiß?

– Das Interview wurde von der Autorin Angela Ljiljanic geführt.

Mani (ganz links) mit dem Soziale Manufakturen Team auf der Breminale.